DEN UMSATZ DANK E-AUTOS IN 24 MONATEN VERDOPPELT

Bei Huber Automotive in Mühlhausen werden herkömmliche Fahrzeuge zu Elektro-Autos. Das Unternehmen profitiert trotz der Corona-Krise von dem enormen Wachstum in diesem Bereich.

Von knapp 27 auf rund 55 Millionen Euro Umsatz innerhalb von nur zwei Jahren: Diese erstaunliche Entwicklung hat die Firma Huber Automotive aus Mühlhäusen im Täle hingelegt. Die Zahl der Mitarbeiter hat sich in dieser Zeit sogar auf etwa 215 mehr als verdoppelt. Das Unternehmen hat sich auf einen Markt spezialisiert, der trotz Corona-Krise gerade absolut floriert – der Elektro-Mobilität.

Firma von Martin Huber rüstet Autos mit Verbrenner-Motor in Elektro-Auto oder Plug-in-Hybrid um

Huber Automotive stellt zwar selbst keine E-Autos her, rüstet aber bestehende Fahrzeuge entweder in einen reinrassigen „Stromer“ oder in ein Plug-in-Hybrid-Modell um, in dem weiterhin ein Verbrenner-Motor arbeitet. Darüber hinaus entwickeln und produzieren die Mühlhausener Systeme für das Batterie-Management und für das übrige Bordnetz anspruchsvolle Steuergeräte für namhafte Automobilhersteller und -zulieferer.
Als Beispiel für eine Umrüstung auf einen Plug-in-Hybrid-Antrieb nennt Geschäftsführer Martin Huber einen Fiat Ducato. Der Transporter – den es auch als Wohnmobil gibt – erhält durch die Elektrifizierung der Hinterachse in Kooperation mit AL-KO Fahrzeugtechnik nicht nur einen zuschaltbaren Allrad-Antrieb auf nassem Untergrund oder an Steigungen im Winter, sondern kann je nach Batterieversion auch bis zu 100 Kilometer rein elektrisch fahren: eine gute Nachricht für feinstaubgeplagte Innenstädte. Dank Satellitennavigation erkennt das Fahrzeug, wenn es in eine Umweltzone hineinfährt und schaltet automatisch auf E-Antrieb um.

Toyota Land Cruiser mit Elektro-Anhänger und Reichweite von 150 Kilometern

Für den Einsatz unter Tage verwandelte Huber Automotive schon 2016 den Toyota Land Cruiser in einen elektrischen Geländewagen mit einer Reichweite von 150 Kilometern. Und ein elektrifizierter Anhänger sorgt dank seiner Batterie dafür, dass auch E-Autofahrer ihren Wohnwagen oder ihre Pferde ohne ständige Lade-Stopps ziehen können. Die intelligente Elektronik verhindert außerdem das berüchtigte Aufschaukeln, und mit Hilfe einer Fernsteuerung lässt sich der Anhänger sogar leicht einparken.
„Dass die Elektromobilität kommt, war unzweifelhaft“, sagt Martin Huber. „Die Frage war nur, wie steil der Hochlauf aussehen wird.“ Über ein Förderprojekt mit dem Bandwurm-Namen „Elena – Elektroantriebnachrüstsatz für Diesel-Lieferwagen“, bei dem es um die Hybridisierung eines Sprinters von Mercedes-Benz ging, stieg sein Unternehmen 2010 in das Thema ein. Drei bis vier Jahre später folgten die ersten rein kommerziellen Gehversuche im Bereich Batterie-Management.

Produktion bei Huber Automotive läuft an sieben Tagen

Heute fertigt Huber Automotive 30 000 Steuergeräte in der Woche, die Fertigung läuft an sieben Tagen im Vier-Schicht-Betrieb. Die staatliche Förderung der E-Autos hat an der hohen Nachfrage auch für seine Produkte einen großen Anteil, räumt der Geschäftsführer ein. Doch durch die Corona-Krise seien viele Neuprojekte nicht so angelaufen wie geplant.
Noch ist das Geschäftsjahr 2020/21 nicht abgeschlossen, es endet erst am 30. Juni. Schon jetzt ist aber klar, dass sich der Umsatz im Vergleich zu den 26,8 Millionen Euro in 2018/19 ungefähr verdoppeln wird, was laut Huber vor allem mit einem „ordentlichen Wachstum“ im ersten Quartal zu tun habe. 90 Prozent des Umsatzes entfallen auf die Elektromobilität.

Martin Huber ist skeptisch gegenüber Wasserstoff als Antriebsform

Alternativen Antriebsformen, wie zum Beispiel mit Wasserstoff, rechnet der Geschäftsführer keine großen Chancen aus: „Ich glaube nicht mehr an die Brennstoffzelle im Auto. Für den durchschnittlichen Pkw-Fahrer ergibt das keinen Sinn.“ Denn auch ein Auto mit Brennstoffzelle brauche neben einem Elektro-Motor eine Batterie in etwa der Größe eines Plug-In-Hybrids. Und wenn deren Reichweite immer größer werde, warum dann nicht gleich ein E-Auto in Reinform?
Zumal das nötige Tankstellen-Netz für Wasserstoff noch gar nicht existiere, wendet Huber ein. Sinnvoll sei Wasserstoff für große Lastwagen und Busse, die sich der Reihe nach damit auffüllen ließen: „Für sie ist eine Batterie zu schwer.“ Synthetische, also künstlich hergestellte Kraftstoffe, seien „sehr interessant“ für Schiffsverkehr und Luftfahrt: „Die gigantischen Mengen, die hier benötigt werden, können wir heute aber noch gar nicht herstellen.“

Martin Huber: „Muss sich ständig neu erfinden“

Zurück zur Elektromobilität: Was macht Huber Automotive eigentlich, wenn die Fahrzeug-Hersteller in ein paar Jahren tatsächlich nur noch E-Mobile auf den Markt werfen und keine Notwendigkeit mehr zur Umrüstung besteht? „Die Ideen werden uns nicht ausgehen“, zeigt sich Martin Huber zuversichtlich. „Wenn Sie sich als Unternehmen nicht ständig neu erfinden, dann wird es nicht langfristig Bestand haben.“